Ökonomie der Bildung

Mai 27, 2008

Fast 200 Jahre lang hat das deutsche Bildungssystem einerseits brutal abgerichtet und fehlgebildet, Fachidioten und feige Untertanen produziert, aber auch, und eben an den Universitäten, ein Ideal gepflegt, das mit Bologna nichts zu tun hat. Dieses Ideal soll dem Menschen ein Leben lang nützen. Es folgt nicht dem Aberglauben, dass sich ein Menschenleben so planen lässt wie das Fertigen von Halbschuhen oder Tütensuppen. Bildung ohne ein Ziel, sondern Allgemeinbildung, eine Art Allradantrieb für die Pisten des Lebens. Das klingt schon eher nach Wissensgesellschaft, in der schnelle und kluge Entscheidungen gebraucht werden, Entscheidungen, die originell sind und passgenau statt vorkonfektioniert und von jedem Deppen reproduzierbar.“ [Quelle: brand eins, Ausgabe 5/08, Seite 64]

Im Essay „Die Stunde der Idioten“ setzt sich Wolf Lotter meiner Meinung nach etwas einseitig mit dem Thema Bildung unter einer ökonomischen Sichtweise auseinander. Kernaussage seines Textes ist, dass durch den zerstörerischen Raubbau, den die Optimierung der Bildungs-Einrichtungen unter betriebswirtschaftlichem Diktat den Schulen und Universitäten auferlegt, das allgemeine Bildungsniveau sinkt. Das scheint auch auf den ersten Blick richtig – öffentliche Bildungseinrichtungen sollen durch die Realisierung des Bologna-Beschlusses in erster Linie Information statt Wissen vermitteln. Dass dadurch aber „Hohlköpfe“ herangezüchtet werden, die nur stupide Reproduktions-Arbeiten erledigen, halte ich für übertrieben und falsch. Denn sicherlich erlaubt jedes System, wenn es einmal durchschaut ist, das schädliche Ausnutzen der Schwächen.

Weiterhin bemängelt Lotter die fehlenden Bildungs-Chancen für Schüler ohne allgemeine Hochschulreife sowie bereits Berufstätigen, ebenfalls keine Hochschulreife dafür aber langjährige Berufserfahrung besitzen, zurecht. Denn in einem dank Studiengebühren, Privat-Schulen und kostenpflichtigen Kindergarten-Angeboten mittlerweile mit Dienstleistungs-Charakter ausgestattetem Bildungswesen, ist es kaum verwunderlich, dass Bildung als Ware angesehen wird.

Die Folgen bei einer komplett kommerziellen Betrachtung der Wissens-Vermittlung wären weitreichend: Auf der einen Seite würde sich die Attraktivität der Bildung erhöhen, da jeder seinen Bildungs-Ort, seinen Wissens-Vermittler sowie die Inhalte in einer Art Shop-System selber zusammenstellen kann. Andererseits könnte dem Buy-Your-Knowledge-Ansatz seine monetäre Basis selbst zum Verhängnid werden – die Uni als Broadway der Ausbildungs-Angebote; wer soll da im Neonlicht-Dschungel noch die richtige Entscheidung treffen? Marketing-Strategien im Bildungswesen – unvorstellbar!

Am Ende ist jeder selbst seines Glückes Schmied – wer Bachelor/Master studiert, muss wissen auf was er sich einzustellen hat. Die Politik ist gefragt, die derzeitige Bildungspolitik zu überdenken und Maßnahmen zu ergreifen, die Freiheit bei der individuellen Selbstverwirklichung zu gewährleisten und frei von Interessen aus der Wirtschaft sicherzustellen.

Bachelor = Studiums-Killer?

Februar 14, 2008

Eine heute veröffentlichte Studie (Heise, FAZ)  beschreibt düstere Zustände für Bachelor-Studenten: So soll jeder fünfte Student sein Bachelor-Studium vorzeitig abbrechen. Schuld daran seien vor allem die starke Belastungen. So wurde zwar die Studienzeit zum Abschluss erfolgreich verkürzt, jedoch dabei verschlafen, den Lehrplan entsprechend anzupassen.

Typisches deutsches Bildungs-Gestümper? Am härtesten trifft es wieder einmal die Studenten, die sowieso schon wenig Zeit zum Studieren haben, da sie für Studengebühren und den Lebensunterhalt nebenbei arbeiten müssen. Außerdem sind die Lehrpläne sehr unflexibel und damit nicht mehr klassisch hochschulspezifisch aufgestellt.

An und für sich ist das Bachelor-System ja keine schlechte Erfindung. Das ECTS- und Prüfungs-System hat natürlich gewisse Vorteile. Jedoch typisch deutsch wurde eine gute Idee mal wieder ziemlich vermasselt – Setzen sechs!